Du möchtest eine Aquaponik Anlage selber bauen? Im Grunde brauchst du nur drei Hauptkomponenten: ein Fischbecken, ein Grow Bed und eine Pumpe. Doch damit dein System langfristig stabil läuft – und du nicht nach drei Wochen vor einem grünen, stinkenden Becken sitzt – gibt es ein paar wichtige Grundlagen zu beachten.
In diesem Artikel zeigen wir dir, worauf es bei der Auswahl jeder Komponente wirklich ankommt, wie du deine Anlage richtig dimensionierst und welche Bauweise zu dir passt.
Fish Tank – Finde einen geeigneten Behälter für deine Fische
Der Fish Tank ist die zentrale Einheit deiner Anlage und gleichzeitig der Lebensraum deiner Fische. Du kannst ein bereits vorhandenes Aquarium verwenden oder einen größeren Kunststoffbehälter, der stabil genug ist, um dem Wasserdruck standzuhalten.
Besonders beliebt für den Einstieg sind IBC-Container. Der Vorteil: Sie sind durch ihre äußere Metallkonstruktion stabil, verhältnismäßig günstig und gut verfügbar. Der obere Teil des IBC wird mit etwa 30–35 cm Höhe abgetrennt und direkt als Grow Bed verwendet – damit hast du in einem Schritt beide Hauptkomponenten. Wer auf Optik Wert legt, kann den Container mit Holz oder anderen Materialien verkleiden.
IBC oder fertige Fish Tanks – welche Aquaponik Lösung passt zu dir?
IBC oder Standardbehälter aus der Industrie sind für viele DIY-Aquaponik Anlagen der einfachste Einstieg. Gebrauchte IBC-Container sind weit verbreitet, relativ günstig und stabil genug für Aquaponik Systeme. Wenn du nur ein kleines Budget hast und du zunächst keinen großen Wert auf die Optik legst, sind IBCs oder größere Industriebehälter meist die sinnvollste Wahl.
Wer dagegen eine optisch ansprechendere Lösung sucht oder seine Anlage langfristig sauber integrieren möchte, kann auf fertige Aquaponik Fish Tanks zurückgreifen. Diese sind in verschiedenen Größen erhältlich und lassen sich direkt mit Grow Beds kombinieren – ähnlich wie beim IBC-System, nur deutlich eleganter.
Fish Tank Systemlayouts & Kombinationen
Standard
Der Fish Tank wird direkt unter den Grow Beds platziert – das ist die simpelste und am weitesten verbreitete Konstruktionsweise. Besonders niedrige Becken eignen sich gut für Anlagen, bei denen die Grow Beds auf einer ergonomischen Arbeitshöhe installiert werden sollen.
CHOP2 (Constant Height One Pump)
Alternativ lassen sich Fish Tanks über einen Überlauf mit einem flachen Sump Tank verbinden: Das Wasser fließt dabei über den Überlauf in den tiefer platzierten Sump und wird von dort wieder ins System gepumpt. Eine einzige Pumpe fördert das Wasser sowohl zu den Grow Beds als auch über eine Abzweigung zum höher gelegenen Fish Tank. Idealerweise befinden sich der Fish Tank und die Grow Beds dabei ungefähr auf dem gleichen Höhenniveau. Diese Bauweise nennt man CHOP2 (Constant Height One Pump).
Der Vorteil: Die eigentlichen Wasserspiegelschwankungen entstehen im Sump, wenn die Grow Beds Wasser aufnehmen und wieder abgeben. Im Fish Tank bleibt der Wasserstand dadurch konstant („constant height"), was für die Fische deutlich stressärmer ist.
Was du bei der Auswahl eines Fish Tanks beachten musst
- Verwende nur saubere Behälter, in denen keine Chemikalien oder giftigen Flüssigkeiten gelagert wurden.
- Achte auf lebensmittelechten Kunststoff, frei von Weichmachern und Schwermetallen. Polyethylen (PE) eignet sich dafür besonders gut.
- Bei einem klassischen Flut-&-Ebbe-System muss das Becken immer tiefer als das Grow Bed platziert werden – das Wasser fließt dann per Schwerkraft zurück.
- Alternativ kannst du eine CHOP2-Systemkonstruktion verwenden (siehe oben).
- Dimensioniere den Tank passend zur Fischart und -anzahl: ab etwa 100 l für Zier- und Aquariumfische, mehrere hundert bis tausende Liter für Speisefische wie Tilapia oder Wels.
- Das Volumen des Fish Tanks sollte nicht mehr als das Doppelte des Grow-Bed-Volumens betragen.
- Glasbecken immer auf einem geeigneten Sockel platzieren – nie direkt auf dem Boden.
Beispiele für passende Fish Tanks und Sump Tanks
Grow Bed – Finde einen geeigneten Behälter für deine Pflanzen
Das Grow Bed ist der Lebensraum deiner Pflanzen und gleichzeitig mechanischer und biologischer Filter. Auch hier gilt: ausschließlich lebensmittelechte Kunststoffbehälter. Im Gegensatz zum Fish Tank kannst du für die Pflanzen mehrere kleinere Behälter verwenden – das hat sogar einen klaren Vorteil.
Mehrere kleinere Grow Beds lassen sich mit einem Bell Siphon asynchron takten, sodass die Schwankung des Wasserspiegels im Fish Tank deutlich geringer ausfällt – und damit auch der Stresspegel der Fische sinkt. Außerdem werden die Grow Beds öfter und in kürzeren Intervallen entleert, was die Sauerstoffanreicherung im Fischbecken spürbar verbessert.
Wenn du ein IBC-System baust: Der abgetrennte obere Teil des Containers – meist etwa 25–35 cm hoch – dient direkt als Grow Bed. Hier eignen sich typischerweise unsere 25 cm oder 30 cm hohen Bell Siphons.
Was du bei der Auswahl eines Grow Beds beachten musst
- Verwende nur saubere, lebensmittelechte Behälter – schließlich wächst dein Gemüse darin.
- Die Mindesthöhe sollte etwa 20 cm betragen, üblich sind 20–30 cm.
- Bei einem klassischen Flut-&-Ebbe-System muss das Grow Bed immer höher als das Fischbecken stehen – auf einer stabilen Unterkonstruktion.
- Prüfe, ob du mit deinen Grow Beds mindestens 50 % des Fish-Tank-Volumens erreichst, sofern keine zusätzlichen Feststoff- oder Biofiltersysteme eingesetzt werden.
Beispiele für passende Grow Beds
Wie groß soll meine Anlage sein?
Eine Frage, die fast jeder Einsteiger stellt – und die sich mit ein paar einfachen Fragen und Faustregeln gut beantworten lässt.
Stelle dir zuerst folgende Fragen:
- Wie viel Platz habe ich überhaupt zur Verfügung?
- Wie viel Fisch plane ich zu produzieren?
Daraus lässt sich die Größe des Fish Tanks ableiten. Daraus ergibt sich wiederum automatisch das notwendige Grow-Bed-Volumen und damit auch die mögliche Gemüsemenge. Mehr Grow-Bed-Volumen und zusätzliche Pflanzenfläche sind dabei in der Regel kein Problem – der Gemüsebedarf ist selten der limitierende Faktor.
- Fish Tank zu Grow Bed: Das Grow-Bed-Volumen sollte mindestens 50 %, idealerweise 100 % des Fish-Tank-Volumens betragen. Ein 1.000-l-Becken benötigt also mindestens etwa 500 l Grow-Bed-Kapazität.
- Fischbesatz: Als Faustregel gelten etwa 20–40 kg Fisch pro 1.000 l Wasser – abhängig von Fischart, Filtration und Belüftung. Mit guter Filterung und Erfahrung sind auch höhere Besatzdichten möglich.
- Pumpenleistung: Die Pumpe sollte das gesamte Wasservolumen mindestens einmal pro Stunde umwälzen können.
Ein klassisches DIY-Setup mit einem IBC-Container – Grow Bed oben, Fischbecken unten – ist der günstigste und unkomplizierteste Einstieg in die Aquaponik. Mit gebrauchten IBCs und ein paar passenden Komponenten lässt sich bereits ein funktionierendes Erstsystem aufbauen. Schau dir unsere DIY-Komponenten an oder lies weiter für den nächsten Schritt.
Pumpe – Finde eine geeignete Pumpe für deine Anlage
Die passende Pumpe zu finden ist nicht immer einfach. Zwei Werte sind entscheidend: Fördermenge und Förderhöhe.
Die Förderhöhe beschreibt, bis zu welcher maximalen Höhe die Pumpe Wasser fördern kann – gemessen als Differenz zwischen Wasserspiegel im Fish Tank und dem Zulauf ins Grow Bed. Die Fördermenge gibt an, wie viel Liter pro Stunde maximal gefördert werden können – aber Achtung: dieser Maximalwert gilt nur bei 0 m Förderhöhe. Mit steigender Höhe sinkt die Fördermenge deutlich. Das ist ein häufiger Rechenfehler beim Kauf.
Beispiel: Eine Pumpe mit 3 m maximaler Förderhöhe und 3.500 l/h Fördermenge schafft bei 1,5 m Förderhöhe noch etwa 1.750 l/h. Bei direkter Platzierung des Grow Beds über dem Fish Tank – also ca. 1 m Höhendifferenz – ist das für ein Einstiegssystem ausreichend.
Beispiele für Aquaponik-Förderpumpen
Was du bei der Auswahl der Pumpe beachten musst
- Die Pumpe muss – unter Berücksichtigung der Förderhöhe – das Fish-Tank-Volumen mindestens einmal pro Stunde umwälzen können.
- Die Pumpe muss vollständig tauchbar sein (IPX8).
- Bei Solarpumpen: Die maximale Förderleistung wird nur bei optimaler Sonneneinstrahlung erreicht. Lieber eine Nummer größer wählen.
Flut- und Ebbe System – Die Bell Siphon Entwässerung für dein Grow Bed
Um dein Grow Bed als Flood & Drain System zu betreiben, brauchst du einen Bell Siphon. Er übernimmt die automatische Entwässerung: Sobald das Wasser im Grow Bed einen definierten Pegel erreicht, löst der Siphon aus und leitet alles zurück in den Fish Tank – ohne Strom, rein durch Physik.
Das ist wichtig, weil die Pflanzenwurzeln abwechselnd Wasser und Sauerstoff brauchen. Ein dauerhaft geflutetes Beet würde die Wurzeln ersticken. Der Bell Siphon sorgt für diesen Wechsel automatisch. Gleichzeitig bauen sich im Grow Bed Bakterienkulturen auf, die Ammonium aus dem Fischwasser in pflanzenverfügbare Nährstoffe umwandeln – das Herzstück des Aquaponik-Kreislaufs.
Wie das im Detail funktioniert, erklären wir im Artikel Wie funktioniert ein Aquaponik Bell Siphon.
PVC-U Rohre, Schläuche und Fittings
PVC-U ist lebensmittelecht und sogar für Trinkwasser zugelassen – ein Hauptgrund warum es in der Aquaponik zum Standard geworden ist. Die vielfältige Auswahl an Fittings (T-Stücke, Winkel, Kreuzstücke) macht es flexibel einsetzbar.
PVC-U Rohre und Fittings werden mit einem speziellen Kleber verbunden. Während des Aufbaus empfiehlt sich anfangs das Stecken und Abdichten mit Teflon-Band, um Positionen noch anpassen zu können. Sobald alles fixiert ist: verkleben.
Was du bei PVC-U Leitungen beachten musst
- Verwende nur hochwertige, trinkwassergerechte PVC-U Komponenten.
- Den Pumpenanschluss mit einem flexiblen Schlauch ausführen – so lässt sich die Pumpe zur Reinigung einfach entnehmen.
- Kugelhähne einbauen, um den Wasserzufluss je Grow Bed regulieren zu können – wichtig für die Feinjustierung des Bell Siphons.
Alle PVC-U Rohre, Fittings und Zubehör findest du in unserer Rohre & Fittings Collection.
Bereit zum Bauen? Wähle deinen Weg
Das klassische Flut- & Ebbe System
Du hast jetzt die Grundprinzipien verstanden: Fish Tank unten, Grow Bed oben, Pumpe und Bell Siphon übernehmen den Rest. Das ist der bewährte Einstieg – simpel, günstig, funktioniert.
Noch unsicher ob Flood & Drain das richtige System für dich ist? Wir erklären die Unterschiede zwischen Flood & Drain, NFT und DWC – damit du weißt worauf du dich einlässt.
Mehr Output von Anfang an – die 3-IBC Hochleistungsanlage
Wenn du von Beginn an auf höhere Filterleistung und mehr Ertrag setzen möchtest und dein System komplett selbst aufbauen willst, lohnt sich ein Blick auf den Bauplan und das Bauteilset der 3-IBC Hochleistungsanlage. Die Konstruktionslogik weicht bewusst vom klassischen Flut-&-Ebbe-Prinzip ab: Die IBCs werden teils als Fish Tank, teils als effektives Filtersystem eingesetzt, wodurch eine höhere Besatzdichte und mehr Ertrag möglich wird.
Die Anlage ist etwas komplexer als ein klassisches Einstiegssystem, bleibt aber auch für ambitionierte Einsteiger gut umsetzbar.
Du hast dabei die Wahl:
Die 3-IBC Anlage lässt sich auch leicht mit fertigen OFERA Fish Tanks, Sump Tanks und Grow Beds kombinieren – du bist in deiner Planung völlig frei. Kontaktiere uns, wir helfen dir gerne weiter.
Hast du Fragen zu den Grundkomponenten, unterschiedlichen Konstruktionsweisen oder möchtest du deine Erfahrungen mit uns teilen? Schreib uns unten in die Kommentare.
Hallo Andreas!
Vielen Dank für deinen Beitrag und deine Frage. Bei der Aquaponik brauchst du im Prinzip kein laufendes Frischwasser, da das Wasser im Kreislauf die Nährstoffe für die Pflanzen zur Verfügung stellt, und sich immer wieder selbst reinigt.
Hab 40 s/l Frischwasser zu Verfügung?
Wie groß müsste meine aquaponiganlage sein
Hallo! Grundsätzlich ist das natürlich möglich, allerdings müssten dem Wasser dann die Nährstoffe für die Pflanzen über eine Nährstofflösung zugeführt werden. Die Komponenten Wasser-Sammelbecken, und Pflanzbeete inkl. Pumpe usw. würde dann aber gleich bleiben und nach dem selben Prinzip funktionieren, als wenn Fische im Becken wären. Auch ein Komplettsystem wie der Cycle-Garden 2X würde sich hierfür anbieten.
Hallo, wir würden so eine Anlage gerne ohne Fische betreiben. Wie oder mit was wäre das sinnvoll möglich?
Vielen Dank. Schöne Grüße, Groß
Hallo Peter!
Doch, so eine Lösung nennt man dann CHOP (Constant-Height-One-Pump) Dann braucht man einen zusätzlichen Sump-Tank, der niedriger steht und das Wasser auffängt! Das heißt, das Wasser wird vom Sump-Tank in die Grow-Beds und gleichzeitig über eine Abzweigung, in einen vom Höhenniveau etwa gleich platzierten Fischtank gepumpt. Das Wasser vom Fischtank fließt dann über einen Überlauf direkt wieder zurück in den Sumpf. Die Grow-Beds entleeren sich ebenfalls über dem Sumpf! Der Sumpf-Tank ist sozusagen ein „Mixbecken“ und der Fish-Tank behält in dem Fall seinen Wasserspiegel konstant bei.
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