Aktualisiert am 22.02.2026
Der Tilapia-Buntbarsch ist zweifelsohne der beliebteste Fisch in der Aquaponik. Das liegt vor allem daran, dass Tilapia hervorragende Speisefische sind, warmes Wasser lieben – und ideal dafür geeignet sind, in einem Kreislauf gemeinsam mit Pflanzen zu leben. Aber was solltest du sonst noch über diesen interessanten Fisch wissen?
Tilapia sind Flexitarier
So könnte man diese Fische bezeichnen, wenn man ihr natürliches Fressverhalten betrachtet. Tilapia sind nämlich in der Lage, sich überwiegend vegetarisch zu ernähren. Das bedeutet, dass sie rein pflanzliches Protein aufnehmen und gut verwerten können. Das macht den Fisch für den Besatz in Aquaponik-Systemen besonders interessant, weil man selbst gezüchtete Wasserlinsen oder Gemüsereste aus der Küche verfüttern kann.
Doch selbst in natürlichen Habitaten stehen – je nach Angebot – immer wieder Insekten auf ihrem Speiseplan. Tierisches Protein muss zwar nicht im Mittelpunkt stehen – ein ausgewogener Mix wirkt sich jedoch positiv auf Wachstum und Vitalität aus. Während rein pflanzliches Futter grundsätzlich ausreicht, empfehlen wir dennoch, ergänzend auch selbst gezüchtete Insekten zu verfüttern. Gut geeignet sind Mehlwürmer oder Soldatenfliegenlarven – also die Larven der Schwarzen Soldatenfliege.
Welches Futter eignet sich für Tilapia in der Aquaponik?
Tilapia profitieren in der Aquaponik von einer ausgewogenen Mischung aus pflanzlichem und tierischem Protein. Neben Wasserlinsen, Gemüseresten oder klassischen Fischfutterpellets gewinnen auch Insektenlarven zunehmend an Bedeutung – vor allem, wenn man nachhaltiger und unabhängiger arbeiten möchte.
Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) oder Mehlwürmer (Tenebrio molitor) sind dabei besonders interessant. Sie sind proteinreich, verwerten organische Abfälle effizient und liefern hochwertiges Eiweiß für gutes Wachstum und einen stabilen Futterquotienten. Gleichzeitig ist das eine effektive Möglichkeit, Futterkosten zu sparen. Gemüsereste oder Biomüll, die sich nicht direkt zur Verfütterung eignen, können über die Zucht von Futterinsekten wieder sinnvoll in den Kreislauf zurückgeführt werden.
Gemüsereste aus der Küche
Tilapia können grundsätzlich mit Gemüseresten wie Karottenschalen, Salatblättern oder Radieschenlaub gefüttert werden. Das Gemüse sollte – je nach Größe der Fische – entsprechend zerkleinert und anschließend direkt verfüttert werden. Es kann einige Zeit dauern, bis sich die Fische daran gewöhnen – besonders, wenn zuvor ausschließlich mit Pellets gefüttert wurde.
Wasserlinsen
Wasserlinsen sind eine äußerst effiziente Futterquelle. Besonders im Sommer lassen sie sich leicht vermehren und können entweder direkt ins Fischbecken gegeben oder in einem separaten Behälter gezüchtet werden. Unter guten Bedingungen verdoppelt sich der Bestand innerhalb weniger Tage – und sorgt so kontinuierlich für frisches Grünfutter.
Soldatenfliegenlarven oder Mehlwürmer
Soldatenfliegenlarven oder Mehlwürmer sind echte Wachstumstreiber für Tilapia. Aufgrund ihres guten Nährstoffgehalts und des ausgewogenen Protein- und Fettverhältnisses eignen sich beide hervorragend als Ergänzung zur pflanzlichen Kost – ähnlich wie es die Fische auch in freier Natur vorfinden.
Klassisches Fischfutter (Pellets)
Nicht immer hat man Zeit oder die Möglichkeit, ausreichend Futter selbst zu produzieren. Ein hochwertiges Pelletfutter ist daher eine sinnvolle Basis. Achte dabei auf Qualität, Herkunft und die passende Größe für deine Fische.
Tilapia Futter selber herstellen oder kaufen?
Die Frage ist nicht immer eindeutig zu beantworten. Fertiges Fischfutter in Pelletsform ist die einfachste – wenn auch nicht die günstigste – Lösung. Gleichzeitig macht es jedoch viel Freude, selbst hergestelltes Futter oder Küchenabfälle sinnvoll in den Kreislauf zurückzuführen.
Unsere Empfehlung: Eine Basis aus hochwertigen Futterpellets, ergänzt durch selbst produziertes, nachhaltiges Zusatzfutter wie Gemüsereste, Wasserlinsen, Mehlwürmer oder Soldatenfliegenlarven. Letztere können wiederum mit Gemüseabfällen aus der Aquaponik oder aus dem Garten gefüttert werden.
Tilapia weisen einen sehr guten Futterquotienten auf
Der Futterquotient beschreibt die Effizienz bei der Umwandlung von Futtermasse in Körpermasse. Dieser Wert ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer Aquaponik-Anlage.
Abhängig von Temperatur, Fütterung und Futterzusammensetzung berichten manche Fischfarmer von 1 kg Zuwachs bei 1,1 kg Futter (Futterquotient 1,1). Wir erreichen bei der Aufzucht unserer Fische aktuell einen Quotienten von 1,3–1,5. Im Vergleich zu anderen Fischarten ist das bereits sehr effizient.
Natürlich ist der Futterquotient stark von der Qualität und Zusammensetzung des Futters abhängig. Hersteller von Industriefutter werben häufig mit optimierten Nährwertprofilen und idealen Proteinwerten ihrer Pellets. Unsere langjährige Erfahrung im Betrieb eigener Aquaponik-Becken mit Tilapia zeigt jedoch: Das gezielte Zufüttern von frischen Insektenlarven hat das Wachstum bei uns nahezu durchgängig stärker gefördert als eine reine Pelletfütterung.
Hier zeigt sich, welchen Unterschied hochwertiges, selbst produziertes Futter im Kreislaufsystem machen kann – sowohl in Bezug auf Vitalität als auch auf Wachstum.
Tilapia selber züchten
Hast du schon einmal von Maulbrütern gehört? Das sind Fische, die ihren Nachwuchs im Maul heranwachsen lassen. Tilapia gehören ebenfalls zu den Maulbrütern. Dadurch ist eine Weiterzucht grundsätzlich nicht besonders schwierig. Dennoch gilt es, einige Punkte zu beachten:
Schritt 1 – Bestimme die Geschlechter
Finde heraus, welches Geschlecht deine potenziellen Zuchtfische haben und ob du genügend Männchen und Weibchen zur Verfügung hast. Geschlechtsreif sind Tilapia mit etwa einem Jahr.
Schritt 2 – Geeignetes Zuchtbecken
Gib vier bis fünf Weibchen und ein Männchen in ein ausreichend großes Zuchtbecken. Empfehlenswert sind Becken mit mindestens 300 Litern Volumen.
Schritt 3 – Schaffe optimale Bedingungen
Eine Temperatur von 25–30 °C, ausreichend Sauerstoff, mindestens 12 Stunden Licht sowie Rückzugsmöglichkeiten sind Grundvoraussetzungen.
Schritt 4 – Beobachte
Das Männchen beginnt nach einiger Zeit, die Weibchen anzuwerben. In dieser Phase können Männchen aggressiv werden. Kommt es zu Verletzungen, sollte der betroffene Fisch isoliert werden.
Schritt 5 – Isoliere die Mutter mit dem Nachwuchs
Um dem Weibchen ausreichend Ruhe zu bieten, empfiehlt sich ein separates Becken für Mutter und Nachwuchs.
Schritt 6 – Züchte die Jungfische auf
Nach etwa vier Wochen spuckt das Weibchen die Jungfische vollständig aus. Diese sollten in einem separaten Becken ohne Förderpumpe aufgezogen werden. Eine Luftpumpe sorgt für Sauerstoff, regelmäßige Wasserwechsel sind wichtig.
Zusammengefasst
Der Tilapia eignet sich ideal für saisonale Aquaponik im Sommer. Er ist nicht zwingend auf tierisches Protein angewiesen, wächst schnell, schmeckt ausgezeichnet und lässt sich mit etwas Know-how selbst vermehren. Durch nachhaltige Futteroptionen wie Insektenlarven kann das System zusätzlich optimiert werden.
Na, bist du ein Fan von diesem Fisch geworden? Lass deine Fragen, Eindrücke und Erfahrungen da. Das Kommentarfeld findest du unten!
Auf Fotos sieht man Tilapia Becken oft ohne Bodengrund, ist ja leichter zu reinigen, aber wenn das Männchen eine Mulde schaffen will, funktioniert das genauso, oder brauchen sie ein bestimmtes Material? Eignet sich z. B. Kies mit einer 5-8mm Körnung? Bzw. wie wichtig ist überhaupt ein Boden?
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